Mittwoch, 17. Oktober 2012

Erste Woche in CT

Hej ihr Lieben!
Ich habe es nicht geschafft mich früher zu melden, bei mir ist jeden Tag so viel los und wenn ich im Internetcafe bin schaffe ich es gerade so, alle Nachrichten und Mails zu beantworten und dann ist meistens meine Zeit schon um:)
Ich habe es wirklich gut angetroffen. Ich fühle mich in der Familie richtig wohl und Anne, die dort schon seit zweieinhalb Monaten wohnt und mit der ich mir jetzt ein Zimmer teile, ist echt eine ganz Liebe. Zur Zeit wohnen hier neben der Gastmutter, Faidaah, mit der wir uns oft unterhalten und die wirklich total nett ist, ihrem Mann Mahavia, meinen 17- und 21-jährigen Gastbrüdern und der neunjährigen Gastschwester fünf weitere Familienmitglieder auf Zeit. Zum einen Anne und ich, dann zurzeit zwei Schwestern aus der französischen Réunion (die aber nur zwei Wodchen da waren und auch am Freitag schon wieder abreisen) und Flo, der auch aus Deutschland kommt und im selben Projekt arbeitet wie ich.
Meine Gastmutter kocht leidenschaftlich und wahnsinnig gut und vor allem viel. Ich werde hier auf jeden Fall nicht verhungern, eher als Kugel zurück kommen:D Inzwischen haben Anne und ich angefangen, ein paar Rezepte aufzuschreiben um die Sachen irgendwann in Deutschland nachkochen zu können. Da gibt es zum Beispiel Rotis, sehr leckere (und ölige:D hier ist alles sehr fetthaltig, die Südafrikaner lieben es alles zu frittieren) Pfannkuchen die mit butter chicken gegessen werden, und Pumpkin frittas (keine Ahnung wie man das schreibt) – frittierte Kürbiscremeteilchen, die süß mit Zimt serviert werden. Mit Abstand am besten sind aber Flapjacks, das sind ganz tolle fluffige Minipancakes, zu denen es eine Creme aus Lindtschokolade (ja, das gibt es hier!) gab hat. Ich habe eine Kategorie für die Rezepte aufgemacht - es wird sich lohnen, denn ich glaube wir haben noch lange nicht genug gesammelt:) Ihr seht schon, da ich dem Essen einen ganzen Absatz widme, kann es mir in der Hinsicht wirklich nicht schlecht gehen...
Jetzt seid ihr aber bestimmt gespannt, wie es in meinem Projekt läuft. Zum Rondevlei Nature Reserve laeuft man eine ganze Strecke, etwa 25 Minuten, obwohl es eigentlich nur zwei Straßen hinunter sind. Nur sind die sehr sehr lang:) Mein eigentliches Projekt ist die Strandfontein Birding Area und diese befindet sich im Zeekoevlei Reserve. Das gehört hier alles zum False Bay Nature Reserve - das wirklich groß ist – es gibt auch noch einen weiteren Teil namens Zandvlei, aber das waren dann glaube ich alle;) Da Scott und Shannon (zwei Studenten, die hier grade ein Praxisjahr machen) auf dem Gelände von Rondevlei wohnen, kann ich morgens dort von ihnen mitgenommen werden nach Zeekoevlei. Das allgemeine Transportmittel ist hier der Bakkie (ein Pick-up), der offiziell zweieinhalb Sitze hat (zweieinhalb, weil sich die in der Mitte sitzende Person ziemlich schmal machen muss damit man schalten kann:D) - aber es gibt ja noch die Ladefläche sodass man eine ganze Menge Leute transportieren kann, was echt witzig ist:) Die Fahrt nach Zeekoevlei dauert dann nochmal knapp zehn Minuten und wir holen meistens noch ein paar Leute, die ebenfalls dort arbeiten, ab. Hier gibt es ein Skilled Development Programm, das derzeit sechs Leuten aus den umliegenden Communities die Chance gibt, ihren CV (also Lebenslauf) aufzubessern. Dadurch arbeiten Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen im Reserve.
Meine Ansprechpartnerin und die Person, der ich meistens assistiere, ist Erica. Sie ist Südafrikanerin, noch ziemlich jung, hat in England Life Science studiert und arbeitet erst seit drei Monaten im Reserve. Sie ist ein ziemliches Energiebündel, an sich gibt es dadurch eigentlich immer was zu tun, manchmal hab ich aber trotzdem ne Stunde in denen ich darauf warte was eigentlich als Nächstes passiert und eine neue Aufgabe bekomme:) Dadurch dass wir für die eigentliche Arbeit immer vom Büro ins Reserve hinausfahren, vertreibe ich mir dann die Zeit im Office mit einer Tasse Rooibostee (mit Milch! Hätte nie gedacht, dass ich davon Fan werde) oder indem ich in das Buch von Kadi, Duygu, Mia und Isi schreibe;). Meine Aufgaben sind ganz unterschiedlich. Zweimal wöchentlich gibt es morgendliche Bird Counts. Ich bin gerade dabei, die englischen Namen der meisten Arten zu lernen und habe mir dafür an einem Tag, an dem es nicht so viel zu tun gab, aus Robert’s Birds of Southern Africa ein paar Seiten kopiert… das ist total interessant. Es gibt Enten, Reiher, Ibisse, Pelikane, Francolins ... die schönsten sind aber die Flamingos und davon gibt es wahnsinnig viele – über zweitausend! Mittwochs werden immer die Flamingos gezählt und das ist gar nicht so einfach, weil sie zum einen eben unglaublich viele sind und meistens auf einem Haufen stehen und zum anderen manchmal vor dem Bakkie davonfliegen und in einem ganz anderen See landen. Es sieht einfach atemberaubend aus, wenn ein Meer aus pink-schwarzen Flügeln auf einmal losfliegt:) Das Reserve ist einfach wunderschön mit den ganzen Seen (pans) und ganz am anderen Ende von Zeekoevlei fängt hinter den Dünen schon das Meer an. Außer Vögeln gibt es auch Daykas (Rehe) die manchmal einfach im hohen Gras auftauchen, einige Wiesel und Hamster und Otter und anscheinend auch einige Schlangen, die ich aber zum Glück noch nicht zu Gesicht bekommen habe (bis auf zwei Exemplare, die in Rondevlei im Terrarium hausen). Oft gibt es natürlich auch Arbeiten die weniger toll sind, aber irgendwie trotzdem Spaß machen. Im Reserve gibt es einige invasive species, also Arten die da nicht hingehören, und das größte Problem sind derzeit Water Hyacinths, die ihre Fläche innerhalb von zwei Wochen verdoppeln und irgendwann einmal sämtliche pans bedeckt haben. Inzwischen gibt es nur noch zwei Seen, die zu einem größeren Teil davon betroffen sind, alle anderen wurden aufwendig freigeschaufelt. Um sicherzugehen, dass die Teile sich nicht nochmal ausbreiten, müssen immer follow-ups gemacht werden – d.h. Kontrollgänge rund um die Seen oder Kanäle und gegebenenfalls die Pflanzen herausfischen. Manchmal muss aber auch einfach Müll aufgesammelt oder Pflanzen zurückgeschnitten werden, aber in der Umgebung fällt das einem wirklich leicht.
Außerdem muss zurzeit jeden Abend Hippo Monitoring gemacht werden. In Rondevlei gibt es mehrere Hippos, von denen eines (oder auch zwei, das weiß keiner so genau) nach Zeekoevlei ausgebrochen ist und sich dort seit einigen Wochen herumtreibt… das Problem dabei ist, dass Zeekoevlei nicht komplett eingezäunt ist und daher in der Vergangenheit schonmal ein Hippo in irgendwelchen Gärten in Grassy Park aufgetaucht ist ... Da es sich tagsüber meistens versteckt und nur nachts auftaucht, gibt es immer abendliche Bakkierundfahrten um nach dem Hippo Ausschau zu halten – letzte Woche wurde es dabei zweimal gesichtet und nach einer durchwachten Nacht sogar fast gefangen, es hatte sich nur dummerweise einen der größten aller pans ausgesucht und der Aufwand wäre viel zu groß gewesen, den gesamten See einzuzäunen. Ich werde wahrscheinlich nächste Woche mal abends mitfahren (bis jetzt ging das noch nicht, weil ich noch irgendeine Indemnity Form unterschreiben muss), also mal sehen ob ich Bilbo zu Gesicht bekomme:)
Grassy Park, der Ort oder Stadtteil in dem ich wohne, hat viele unterschiedliche Gesichter. Fünf Minuten Busfahrt von meiner Straße entfernt gibt es einige Siedlungen, die größtenteils aus Shacks (winzigen Blechhütten) bestehen. Auf dem Weg zum Reserve stehen andererseits einige ziemlich große Häuser, die man schon fast als Villen bezeichnen könnte. Im Reserve selbst gibt es auf einer Halbinsel im größten See ein paar riesen Haeuser direkt am Wasser und einen Yacht- und Segelclub... Das ist Kapstadt: Solche Kontraste innerhalb von wenigen Minuten. 
Wir sind am Samstagmorgen in die Stadt hineingefahren. Das funktioniert hier so: Man stellt sich vor die Haustür, wartet bis ein Minibus vorbeifährt aus dem jemand Wynberg! schreit und steigt ein. Drinnen bezahlt man seine sechs Rand (sechzig Cent) für eine viertelstunde Fahrt, in dem man das Geld einfach seinem Vordermann in die Hand drückt. Einer in der ersten Reihe muss dann alles einsammeln. Das Wochenende war der Hammer, wir haben in einem super Hostel namens Penthouse uebernachtet (im 22-Bett-Zimmer im sechsten Stock, mit Dachterasse und wahnsinns Aussicht) und waren zuerst ein bisschen auf der Long Street einkaufen, abends dann in Camps Bay, einem ziemlich reichen Kuestenort zehn Minuten ausserhalb von Kapstadt. Das war echt wunderschoen da. Wir haben zuerst Unmengen von Fotos am Strand gemacht, dann waren wir in einer super Bar essen. Essen kann man hier fast immer unter zehn Euro. Den Abend zurueck im Hostel haetten wir dann gemuetlich auf der Dachterasse mit hammer Essen verbringen koennen (weil da eine Party war und das Geburtstagskind uns eingeladen hat), haette uns nicht irgendein Suedafrikaner der selber nicht mehr wusste wie er dort hinkam anderthalb Stunden zugetextet... in dem Hostel sind eh ziemlich viele schraege Leute, einer wohnt da irgendwie schon seit drei Monaten und hat sich ne ganze Ecke fuer sich eingerichtet, aber es ist richtig toll da:) Am Sonntag waren wir dann an der waterfront fruehstuecken und sind danach mit einem Taxi hoch auf den Signal Hill gefahren... von dort aus hat man einen traumhaften Blick ueber Kapstadt, Sea Point, die Waterfront, Robben Island und natuerlich das Meer:)
Ich versuche sobald es geht, noch ein paar Bilder hochzuladen. Meine Zeit ist mal wieder fast abgelaufen obwohl ich diesmal das meiste vorgeschrieben habe und hier kann man nicht wirklich planen... Anne und ich sind gestern und vorgestern zweimal die fuenfzehn Minuten zum Internetcafe gelaufen nur um jedesmal festzustellen dass es zu hatte:) Ich kann aber auch manchmal vom Reserve aus ins Internet, nur facebook funktioniert da nicht, damit die Leute dort nicht die ganze Zeit dadrin sind:D
Ich schicke euch ganz liebe Gruesse auf die andere Erdhalbkugel!

6 Kommentare:

  1. Hört sich unheimlich toll an! Ich freu mich auf die Bilder:))

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  2. Wünsche dir noch gaaanz viel spaß:)))

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  3. schon wieder Ame:D17. Oktober 2012 um 20:36

    Kam deine "my name is"-schoki trotzdem gut an obwohls lindt dort gibt?:))

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    1. Kam super an! Die ist hier naemlich relativ teuer und wird nur manchmal gekauft:)

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