Ihr Lieben,
Inzwischen läuft meine fünfte Woche hier in Kapstadt! Kaum zu glauben… inzwischen habe ich mich schon ziemlich gut eingelebt und langsam wird es hier richtig warm! Hier wird man auch einfach wahnsinnig schnell braun… Vor zwei Wochen hab ich mit Anne und Anna, die auch aus Deutschland kommt und hier in Grassy Park wohnt, Semmelknödel mit Rotkraut und Champignonrahmsauce und zum Nachtisch Donauwelle für meine Gastfamilie gekocht :) Ist bei allen gut angekommen und besonders Faaidah war begeistert. Und sie hat mal erfahren wie es für Anne und mich ist, jeden Tag vor einem Haufen leckeren Essen zu sitzen und einfach wirklich nicht mehr essen zu können :D
Die Wochenenden sind hier immer richtig toll, es gibt einfach so viel zu sehen und zu machen. Vor drei Wochen waren wir im District 6-Museum. District 6 hieß ein Stadtteil Kapstadts, der während der Apartheid über mehrere Jahre zur Gänze geräumt und anschließend dem Erdboden gleichgemacht wurde, um Platz für eine weiße Siedlung zu schaffen. Ich finde es wichtig, so viel wie möglich über das Leben in Kapstadt und Südafrika während der Apartheid zu erfahren und habe auch von meiner Gastfamilie und den Skilleds schon einiges darüber gehört. Da ist zum Beispiel der Strand von Muizenberg, gar nicht weit von uns entfernt, der damals ausschließlich Weißen vorbehalten war. Allgemein durfte sich nach fünf Uhr niemand mehr auf der Straße aufhalten, oder es wurde geschossen oder Verhaftungen vorgenommen. Die Townships mit den sogenannten shacks (Wellblechhütten), wie zum Beispiel Khayelitsha, wo heute 1,5 Millionen Menschen leben, sind in dieser Zeit entstanden weil coloured und black people aus ihren Heimatvierteln vertrieben wurden.
Vorletztes Wochenende habe ich eine Dreitagestour mit einer Organisation aus Kapstadt gemacht, bei der man als Volunteer Rabatt bekommt… war trotzdem teuer genug, aber es hat sich gelohnt! Wir haben eine ganze Menge gesehen und so schnell wäre ich wahrscheinlich nicht zu den verschiedenen Orten hingekommen. Am ersten Tag waren wir in Hout Bay und haben mit einem Boot eine kleine Tour zum Seal Island gemacht, da waren jede Menge Robben. Ich war froh, als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte weil die Wellen wegen schlechtem Wetter ziemlich hoch waren:D Dann ging es weiter zum Kap der Guten Hoffnung und da kam auch zum Glück ein bisschen Sonne raus:) Wir sind vom Cape of Good Hope – der südwestlichsten Spitze Afrikas! - dann nach Cape Point (eine steile Klippe, auf der ein Leuchtturm draufsteht) gewandert. Weiter ging es über Muizenberg, wo es einen berühmten Surferstrand gibt, zum Eis essen; und danach nach Stellenbosch. Das ist nicht nur (wie ich vorher geglaubt hatte) ein bekanntes Weinanbaugebiet, sondern auch eine (Studenten-)Stadt mit der einzigen Universität weltweit an der man Wein studieren kann:) Daher haben wir nach einer Nacht im Hostel am nächsten Morgen (auf so gut wie nüchternen Magen haha) cheese, wine and chocolate tasting gemacht wobei wir ungefähr viermal am Käsebuffet (als unser Frühstück…) vorbeigelaufen sind… die Käsesorten, darunter sowas exotisches wie Schafskäse mit Aprikosen oder Cranberries, waren einfach unglaublich lecker!!
Über Mittag waren wir in Franschhoek – ähnlich wie in Stellenbosch kann man sich dort gar nicht richtig vorstellen, in Südafrika zu sein… es gibt einfach total viele grüne Bäume (von den Holländern importiert), wunderschöne viktorianische Häuser und wir waren auf einem total süßen village market:) Leider sieht man dort auch hauptsächlich nur Weiße… Am Nachmittag sind wir nach Agulhas gefahren – dort gibt es das Cape Agulhas, an dem indischer und atlantischer Ozean aufeinander treffen, die südlichste Spitze Afrikas! Wir haben dort in einem richtig tollen Backpackers übernachtet – abends gab es ein richtig tolles Braai (das ist Afrikaans – Barbecue sagt hier keiner) mit tollem Brot und Salat. Als Vegetarier bekam man eine butternut (so heißt hier ein bestimmter wahnsinnig leckerer Kürbis, den es auch bei uns in der Familie öfter gibt) gefüllt mit Fetakäse – seehr gut:) Am nächsten Tag ging es nach Hermanus, einer kleinen Küstenstadt, in der man vom Land aus Wale in der Bucht beobachten kann:) Wir haben tatsächlich auch nach nicht mal zehn Minuten zwei entdeckt, es ist nur schwierig im richtigen Moment ein Bild zu machen:) Danach waren wir in einer unglaublich goldigen belgischen Bäckerei dort im Ort... dort gabs auch anständiges Brot!:D Ich kann ja so bald keinen Toast mehr sehen… Unser letzter Stop war in Betty's Bay bei einer Pinguinkolonie... ich hoffe ich kann bald Bilder von alldem hochladen, das mit dem Hochladen im Internetcafe ist hier immer so ein Drama!
In meinem Projekt läuft es gut, man beginnt nach einer gewissen Zeit einfach immer mehr seinen Platz zu finden. Einige der Skilleds mag ich inzwischen echt gern, Farook und Lisl bringen mir immer ein bisschen Afrikaans bei wenn ich mit ihnen arbeite und dann wird sich morgens manchmal mit Goeiemôre, hoe gaan dit met jou? (…Goed, dankie, en met jou?) begrüßt:) Seit zwei Wochen ist auch noch David hier, er ist Volunteer für sechs Monate und kommt auch aus der Nähe von Stuttgart. Mit Farook und Elenor hatten wir letztens ein ziemlich interessantes Gespräch während unserer Mittagspause… es ging um Geschichte und Politik Südafrikas und Deutschlands (der zweite Weltkrieg ist hier ein sehr beliebtes Thema) und zum anderen um die beiden selbst und ihre Arbeit im Reserve… ich wusste zwar schon vorher, dass das Skilled Development Programm nur einen sehr geringen Lohn beinhaltet, aber dass letzten Endes nicht mehr als dreihundert Rand (etwa dreißig Euro) für Lebensmittel im Monat bleiben, hat mich doch ziemlich erschrocken. Vorletzte Woche hatten Flo und Farook eine Beinahebegegnung mit dem Hippo… sie waren mit einem kleinen Boot auf einem der pans draußen um eine Barriere für die Wasserpflanzen, die sich hier so schnell ausbreiten, zu befestigen, und auf einmal tauchte das Hippo zwischen eben diesen Hyacinths auf… Die beiden waren zum Glück schneller als das Hippo, aber natürlich war das erstmal ein Schock. Wenn ich das richtig verstanden hab, wird man versuchen es zu fangen sobald es in einem kleineren See gesichtet wird, den man dann einzäunen kann. Danach soll es dann ans Eastern Cape in einen anderen Park verfrachtet werden, mal sehen wie lange das noch dauert…
Einen bestimmten Tagesablauf hab ich eigentlich nicht, ich bin morgens immer erst mal im Headoffice in Zeekoevlei und erfahre da dann von Erica, was für den Tag geplant ist. Wir machen immer ganz unterschiedliche Sachen… letzte Woche haben wir Holzschilder, auf denen die Nummern der pans draufstehen, abgeschliffen (oder teilweise eher mit dem Messer abgekratzt) und neu gestrichen, was ein paar Tage gedauert hat… jetzt stehen die Schilder wieder an Ort und Stelle und sehen ein kleines bisschen besser aus als vorher;) Letztens war ich das erste Mal mit beim ‚Hippo Monitoring‘. Asieff (der Chef von allem hier) hat mich um neun abends zuhause abgeholt und dann sind wir durch einen Großteil vom Reserve gefahren und haben die Umgebung mit einem kleinen Scheinwerfer abgeleuchtet… leider war keine Spur vom Hippo zu sehen, was aber wahrscheinlich am starken Wind und am Vollmond lag. Dafür haben sich immerhin ein Grysbok, eine Eule, ein Frosch und ein water mangoose (das sind so süße kleine Wiesel die hier überall rumlaufen) blicken lassen.
Am Freitag hatten wir was richtig tolles vor… wir haben in Rondevlei bird ringing gemacht. Vor anderthalb Wochen waren wir schonmal mit dem Boot auf dem See draußen und haben Ausschau nach Küken gehalten, da waren sie aber noch zu klein. Letzten Freitag war dann aber ein guter Zeitpunkt und wir sind zusammen mit einem Ornithologe von der University of Cape Town rausgefahren, der die ganze Ausrüstung dafür hatte. Von uns Volunteers hat dann jeder ein chick auf den Arm bekommen und dann wurden die Kleinen gewogen, gemessen und mit Ringen versehen:) Ich hatte einen Blackheaded Heron (Reiher), der sich am Anfang noch ein bisschen gewehrt hat, aber dann war er lieb (oder einfach nur in Todesangst, der Arme)… Am selben Nachmittag sind wir dann noch mit Erica und einer Freundin von ihr nach Agulhas gefahren (ja, ich war zwei Wochenenden hintereinander da…:) um zwei Tage dort zu verbringen, weil sich für Anne die Western Cape Tour nicht gelohnt hätte, aber sie unbedingt nochmal dort hinwollte. Wir zwei konnten im Ferienhaus von Cecile (Ericas Freundin) wohnen, was wirklich riesig war und wir hatten es ganz für uns alleine:) Ein bisschen hat es uns an ein Museum erinnert – voll mit alten Möbeln, und weil irgendein netter Verwandter die Gasflasche geklaut hatte, hatten wir erstmal nur eiskaltes Wasser. Ich konnte dann aber bei dem Onkel von Cecile im Haus nebenan duschen und es kam mir wahnsinnig luxuriös vor, nach fast vier Wochen wieder durchgehend warmes Wasser zu haben. Bevor ich ins Bad kam, wurde ich aber erst noch herzlichst empfangen, mit Tee und Keksen versorgt, der Katze vorgestellt und für den nächsten Besuch ins Gästezimmer eingeladen:) Agulhas und der Nachbarort Struisbaai haben zusammen nicht mehr als 3000 Einwohner und dementsprechend herrscht eine sehr ruhige Atmosphäre… aber die Leute dort sind einfach wahnsinnig freundlich und hilfsbereit. Freitagabends waren wir bei Ericas Familie zum braai eingeladen, was natürlich wieder viel leckeres Essen bedeutet hat… Am Samstag haben wir ein paar Läden und den winzigen Hafen in Struisbaai angeschaut, mit kleinen Fischerbooten im türkisblauen Wasser die wirklich wie dort hingemalt aussahen und abends italienisch gegessen:) Am nächsten Morgen sind wir schon um halb fünf aufgestanden, weil wir unbedingt den Sonnenaufgang über dem Meer von einem Berg hinter dem Haus anschauen wollten… also haben wir uns eine Decke und heiße Schokolade in einer Thermoskanne mitgenommen und sind losgewandert. Leider waren zu viele Wolken am Himmel, als dass wir was hätten sehen können…also sind wir nach zwei Stunden zurück ins Bett:) An dem Tag waren wir dann noch am Cape und auf dem Leuchtturm, haben uns eine richtig tolle afrikaanse Zeitschrift mit wahninnig gut aussehenden Rezepten geholt und abends wieder nebenan bei Ericas Familie gegessen – es war einfach ein richtig tolles Wochenende.
Nächsten Freitag kommt noch eine Norwegerin für vier Wochen zu uns in die Familie, ich hab sie sogar schon kennengelernt, weil sie am selben Tag wie ich hier in Kapstadt angekommen ist. Am Samstag sind wir dann wahrscheinlich nochmal in Stellenbosch, weil Cecile uns auf ihre Farm eingeladen hat, und am Sonntag am Bloubergstrand (ein Surferstrand etwas außerhalb von Kapstadt mit Blick auf den Tafelberg) wenn alles klappt – ich bin schon gespannt!
Ich hoffe ich kann bald alle Bilder hochladen, ansonsten freu ich mich immer über Nachrichten und nicht böse sein wenn es etwas länger dauert, sie zu beantworten… unser Internetcafe macht manchmal einfach früher zu oder es gibt keine electricity oder keine freien Computer… dann dauert es manchmal einfach eine Weile:D
Ganz ganz liebe Grüsse ins kalte Deutschland :)
Schön zu lesen und zu hören, dass es dir dort so gut geht!! Genieß es :)
AntwortenLöschenDanke!:)
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